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"Da ist ohne Ende Kapital unterwegs"
Russische Investoren schauen sich nach geeigneten Immobilien um
WIESBADEN Seit anderthalb Jahren interessieren sich russische Investoren zunehmend für Wiesbadener Immobilien. Kämen die Geschäfte in Gang, hätte das Tradition: Das ehemalige Weltkurbad war bereits Ende 19. Jahrhunderts Ziel reicher Russen, damals eher adliger Herkunft.
Zunächst vorneweg: Wiesbaden ist nicht das vorrangige Objekt der Begierde, was russische Investitionen in Deutschland betrifft. Oligarchen wie Gazprom-Chef Alexej Miller, der 100 Millionen Euro in den maroden Revier-Fußballclub Schalke 04 pumpt, oder andere, die etwa Mehrheiten bei Kosmetikfirmen, Modemarken oder Touristikbetrieben aufkaufen, sucht man hier bisher vergeblich.
Auch der märchenhaft reiche Chelsea-Mäzen Roman Abramowitsch hat seine Villa lieber in Garmisch gekauft und der georgische Ex-Präsident Eduard Schewardnadse hat nie bestätigten, aber dennoch hartnäckigen Gerüchten zufolge ein Anwesen in Baden-Baden.
Dennoch mehren sich Anzeichen, dass russische Investoren ihre Fühler auch nach Wiesbaden ausstrecken. Was einerseits ja Tradition hätte, wie die Russische Kapelle und der 150 Jahre alte russische Friedhof auf dem Neroberg bezeugen. Andererseits besitzt Wiesbaden eine Bausubstanz, die nicht nur durch architektonische Schönheit besticht, sondern auch durchaus durch Renditemöglichkeiten.
Stanislav Kalysch zum Beispiel würde gerne "die alten Traditionen wieder beleben". Der 47-jährige Russe, der die Immobilienfirma K&Invest-GmbH im norddeutschen Rastede betreibt, besitzt bereits zwei Immobilien in Wiesbaden: Das Danker-Haus in der Friedrichstraße 14 und die Villa in der Blumenstraße 2, die bisher Obermayr-Schule war und nunmehr an einen Physiotherapeuten vermietet ist.
Kalysch, der 1997 nach Deutschland kam und vorher in Moskau lebte, pflegt nach wie vor Verbindungen zu seiner Heimat und sagt, er versuche, Investoren von Wiesbaden zu überzeugen: "Eine so schöne Stadt habe ich in Deutschland sonst nicht gesehen", schwärmt er und will nicht nur mit seiner Familie hierher ziehen, sondern auch "eine breite Werbekampagne" machen. Der Geschmack der Russen seien schon alte Häuser mit Charakter, sagt Kalysch. Und die hat Wiesbaden ja zuhauf.
Renditeobjekte mit Denkmalschutzabschreibung, weiß auch Andreas Steinbauer, Spezialist für Gewerbeimmobilien, seien eine geeignete Möglichkeit für reiche Russen, ihr Vermögen zu verteilen. Russische Investoren, sagt er, seien auch in mittleren Städten aktiv: "Da ist Kapital ohne Ende".
Auch Bürgermeister Helmut Müller, Liegenschaftsdezernent der Landeshauptstadt, bestätigt ein zunehmendes Interesse: "Bei Ausschreibungen hatten wir bereits russische Bewerber." Zu Abschlüssen sei es bisher aber noch nicht gekommen. Die Investoren, die sich seit etwa anderthalb Jahren bemerkbar machten, seien sowohl an Geschäfts- als auch an Privathäusern interessiert. "Es gibt immer solche Phasen", so Müller, "arabische Käufer waren auch schon aktiv".
Von Mandanten, die bereits in größerem Stil in Baden-Baden investiert haben, berichtet Alexander de Faria e Castro, Rechtsanwalt und Vorsitzender des Vereins "Herus", der seit fünf Jahren den interkulturellen Austausch zwischen Hessen und der Russischen Föderation pflegt. In Wiesbaden seien zwar noch keine Kaufverträge zustande gekommen, aber, meint de Faria, "das Interesse ist größer geworden". "Die machen das individuell und überraschend", beschreibt der Anwalt das Geschäftsgebaren potenzieller Käufer von der Wolga. De Faria hat ein Büro in Moskau eröffnet und weiß, dass von russischer Seite Interesse am Aufbau eines Kulturzentrums in Wiesbaden besteht und auch, den Petersburger Dialog 2008 in Wiesbaden stattfinden zu lassen: "Die Russen wollen ihr Image verbessern" - was auch nötig sei angesichts der Klischees und des Misstrauens, das hierzulande gegenüber den Geldgebern aus dem Osten herrsche.
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