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Vorsichtige Kunden

Das schnelle Geschäft sei mit den Russen nicht zu machen, sagen auch andere Immobilienhändler. „Sie sind generell vorsichtig und sehr schwer ins Gespräch zu bekommen", so Claudia Dubois vom Mitbewerber Engel & Völkers. Habe man aber erst ihr Vertrauen gewonnen, seien sie angenehme, aber zugleich anspruchsvolle Kunden. Engel & Völkers verkaufte vor zwei Jahren die Villa von Claudia Schiffer an einen Russen.

Früher hätten die Neureichen noch ihre Emissäre vorausgeschickt, um das Immobilienangebot zu sondieren. Diese Zeiten seien mittlerweile vorbei, glaubt Lutz Minkner, der an seinem Stand in Moskau „Pianisten, Künstler und seriöse Geschäftsleute" empfing. Viele von ihnen hätten bereits konkrete Wünsche geäußert und ein erstaunliches Fachwissen über Mallorca aufweisen können.

Insgesamt sei die Insel im Vergleich zu anderen mediterranen Zielen in Russland jedoch noch nicht bekannt genug, sagt Bernd Katzmarcik vom Immobilienunternehmen Kühn & Partner: „Einige russische Interessenten haben uns schon gefragt, ob es auf Mallorca auch Skipisten gibt."

Die Makler haben deshalb allesamt Marketingoffensiven in Russland gestartet und dabei verschiedene Strategien entwickelt. Während Kühn & Partner durch Kooperationen mit seriösen Partnern vor Ort die zahlungskräftige Kundschaft erreichen möchte, inseriert Minkner in russischen Lifestyle-Magazinen und lädt potenzielle Investoren zum Golfen auf Mallorca ein.

Gold und viel Klunker

Drettmannn International, Makler für Luxusyachten mit Sitz auf Mallorca, hat derweil in St. Petersburg eine Niederlassung eröffnet. Dort können sich die Kunden ihre Yacht nach eigenen Wünschen entwerfen lassen. Der russische Kunde mache um Standardmodelle einen großen Bogen und bevorzuge Custom-Build-Yachten, die beide nur die Außenhaut gemein hätten. Innen aber seien der Fantasie und den Kosten keine Grenzen gesetzt. Während Deutsche und Briten sich zumeist in Understatement übten, könne das Schiff für die russische Klientel gar nicht protzig genug daherkommen, meint Robert Marekovic, der Marketingleiter von Drettmann. Beliebt seien an den Schiffen Gold und viel Klunker. Der Reichtum müsse erkennbar sein. Nach der Präsentation des neuen Drettmann-Modells „Bandito" auf der Bootsmesse in Düsseldorf gingen gleich drei der bis zu sieben Millionen Euro teuren Boote in russische Hände über.

Klotzen statt kleckern heißt es auch bei den Immobilien. „Mit einer Finca braucht man den Russen gar nicht erst zu kommen", sagt Bernd Katzmarcik von Kühn & Partner: „Holzbalken und Steinfußböden haben die russischen Kunden in ihrem Land selbst. Die Materialien gelten dort eher als ärmlich." Im Zweitwohnsitz im Süden bewege man sich dagegen lieber auf Marmor. Auch hohe Säulen vor der Eingangstür seien überaus beliebt, pflichtet Claudia Dubois von Engel & Völkers bei.

Dass Mallorca für die Russen in Zukunft immer wichtiger wird, steht für die Immobilien- und Yachtmakler außer Frage. Marbella sei ziemlich heruntergewirtschaftet, findet Lutz Minkner, Sonne fänden die von kalten Wintern gequälten Russen auch genug auf Mallorca.

Claudia Dubois setzt vor allem auf den Nobelhafen Port Adriano, der für große Yachten ausgebaut werden soll. Denn viele Russen suchten die Kombination aus Haus und Boot. Und wenn dass nicht klappen sollte mit den Millionären, bliebe ja immer noch die stetig wachsende russische Mittelschicht. Auch sie lege sich auf den Inseln Eigentum zu, so Dubois. Dabei gehe es dann um Häuser mit einem Preis von unter einer Million Euro.